NAGELneu -SPORTS-

sports photography by Dieter Nagel

Wednesday, November 18, 2009

Volleyball: Hamburg - Vilsbiburg

























































































































































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Handball: Buxtehude - Blomberg


Wednesday, November 11, 2009

Pohl / Rau beenden Karriere nach neun Jahren

Bibliothek statt Beach-Courts, Bücher statt Beach-Volleyball: Stephanie Pohl, 31, und Okka Rau, 32, verabschieden sich nach neun Jahren vom Leistungssport und konzentrieren sich auf ihre jeweiligen Studienabschlüsse.

"Ich habe in diesem Jahr gemerkt, dass mich der Abschluss meines Jurastudiums so viel Energie kostet, dass eine Doppelbelastung mit Beach-Volleyball einfach nicht möglich ist", erklärte Stephanie Pohl. "Das juristische Examen stellt hohe Anforderungen an die Prüflinge und dauert sehr lange." Auch die angehende Lehrerin Okka Rau sieht die Zeit gekommen, beruflich den nächsten wichtigen Schritt zu machen: "Die Studienordnungen für das Lehramt werden überall geändert. Es gilt Fristen einzuhalten, wenn ich die Prüfungen noch nach alten Kriterien ablegen möchte", sagte sie.

Das Nationalduo Pohl/Rau spielte sein erstes Turnier am 2. November 2000 im brasilianischen Fortaleza. Seinen letzten Auftritt hatte es vom 8. bis 13. September 2009 in Barcelona, Spanien. In den neun Jahren spielten die Kielerinnen 114 internationale, zahlreiche nationale Turniere und sammelten so nicht nur unzählige Flugmeilen sondern auch tolle Erfolge. So holten Stephi und Okka 2002 den Titel des Deutschen Meisters, 2003 wurden sie Europameisterinnen. Sie blicken auch auf zwei Olympia-Teilnahmen zurück: 2004 wurden sie in Athen Fünfte, 2008 kamen sie in Peking auf Rang Neun. Mit dem Sieg beim FIVB World Tour Turnier in Marseille 2008 schrieben sich Pohl/Rau in die Geschichtsbücher, sind sie doch das einzige deutsche Frauen-Duo, dem ein Turniersieg auf der World Tour bislang gelungen ist. Ihre sportlichen Leistungen fanden auch beim Publikum und bei den Experten Beachtung. So wurde Okka fünf Mal zur "Beach-Volleyballerin des Jahres" ausgezeichnet und 2007 zu "Hamburgs Sportlerin des Jahres" gewählt. Stephanie Pohl erhielt 2004 die Auszeichnung "Eurosport SportStar Award".

Das Resümee von Stephanie Pohl und Okka Rau fällt nach vielen Jahren Hochleistungssport positiv aus. "Ich werde immer an diese schöne Zeit zurückdenken und dankbar sein für etwas, was nicht vielen Menschen gegönnt ist: Ich konnte ein Hobby zum Beruf machen, viel reisen, an den Olympischen Spielen teilnehmen und Sprachen lernen", so Stephi. Auch Okka zieht eine positive Bilanz: "Durch Beach-Volleyball durfte ich weit entfernte Länder und tolle Menschen kennenlernen. Es bleiben viele Eindrücke hängen, die ich ohne den Leistungssport in dieser Weise nicht hätte machen können. Es lohnt sich, Träume zu haben und hart für deren Verwirklichung zu arbeiten."

Interview mit Okka Rau: "Der Generationenwechsel hat sich vollzogen..."

Hallo Okka! Wie kam es denn zu dem Entschluss, gerade jetzt eure Karriere zu beenden?
Okka Rau: "Wir haben beide schon länger das Bedürfnis, unser Studium zu Ende zu machen, und jetzt ist es einfach an der Zeit. Die Konkurrenz ist total stark, und wir müssten mit noch viel mehr Feuereifer dabei sein, aber es ist schwer, beides zu machen. Wir hatten jetzt ein gutes, entspanntes Jahr, waren meist im Hauptfeld, hatten keinen Qualifikationsdruck wie letztes Jahr im Zuge der Olympiaquali, dadurch fällt es uns schwer aufzuhören, wir haben aber beide im Laufe dieser Saison erkannt, dass wir wegen des Studiums nicht mehr Vollgas im Sport geben können. Die nächsten Spiele liegen in weiter Ferne, und die jungen Spieler sind sehr stark geworden. Der Generationenwechsel hat sich vollzogen."

Welche sportlichen Erfolge oder Ereignisse würdest Du hervorheben, wenn Du Deine Karriere rückblickend betrachtest?
"Ich bin besonders stolz, dass wir die Olympia-Quali letztes Jahr geschafft haben. Das war ein klasse Erfolg und ein tolles Gefühl! Wir wollten es uns noch einmal beweisen, dass wir trotz unseres 'Alters' dabei sein können. Die Olympischen Spiele sind für jeden Sportler das Wichtigste und sowohl Athen als auch Peking werden mir immer in Erinnerung bleiben. Der EM-Titel fällt mir auch sofort ein und ansonsten das geniale Leben, das man durch diesen Sport hatte. Das prägt einen, man hat bestimmte Sachen gelernt, die sich auch auf alles andere auswirken. Man verpasst z.B. seinen Flieger und Du lernst, einfach cool zu bleiben – so geht man insgesamt auch das Leben entspannter an. Diese unglaubliche Aufregung wie beim ersten Spiel bei den Olympischen Spielen – ich kann mir nicht vorstellen, dass es so aufregend im Leben noch einmal werden wird. Naja, vermutlich dann, wenn man Kinder bekommt...(Okka lacht)"

Du erwähnst gar nicht den ersten und einzigen Turniersieg eines deutschen Frauen-Duos auf der FIVB World Tour, der euch 2008 in Marseille gelungen ist. Spielt er nicht so eine große Rolle für Dich?
"Doch, natürlich. Witzig, dass ich den nicht erwähnt habe. Jetzt, wo die Schweizerinnen ihr erstes Turnier gewonnen haben, habe ich mich mitgefreut und automatisch an Marseille gedacht. Das war eine Riesenfreude! Ein Turnier zu gewinnen, das ist ein Riesenerfolg."

Oft wurde dieser Turniersieg relativiert, weil die brasilianischen und amerikanischen Top-Teams nicht da waren. Stört Dich das?
"Ein Turnier zu gewinnen ist immer schwer. Egal, wer da ist und wer nicht. Es gibt wieder für jeden die gleiche Chance zu gewinnen, und alle denken, ah, die Top-Teams sind nicht da. Dadurch ist es schwer, auch solch ein Turnier zu gewinnen. Es ist mir völlig schnurz, was die Leute sagen. Für mich war es ein Riesenerfolg."

Was wirst Du aus dieser Zeit am meisten vermissen?
"Ich werde auf jeden Fall das Reisen vermissen. Fernweh ist etwas, was ich einfach in mir habe, durch das, was ich die letzten Jahre gemacht habe. Man hat auch viele nette Menschen getroffen, ein paar Freunde gewonnen. Es wird wahrscheinlich schwierig, den Kontakt nach Brasilien oder Norwegen zu halten, aber wir sind es ja alle gewohnt, durch die Welt zu reisen. Vielleicht bekommen wir es ja hin. Und ich glaube, den Wettkampf werde ich vermissen. Nach so vielen Jahren ist man irgendwie süchtig nach Wettkampf. Im Moment geht es mir super. Ich habe überhaupt kein Problem damit, dass die sportliche Laufbahn abgeschlossen ist. Mal sehen, wie es ist, wenn auch das Studium zu Ende ist, das kann man nicht voraussagen."

Hast Du schon darüber nachgedacht, womit Du Deine Zeit füllen wirst, die sonst Training und Turniere eingenommen haben?
"Im Moment kann ich nur bis Februar denken. Dann werde ich mit meinem Studium fertig sein. Bis dahin erfordern die Prüfungen meine ganze Aufmerksamkeit, keine Ahnung, was danach kommt. Vielleicht zieht es mich gen Süden (Okka grinst). Mal sehen, wie Stefan (Schmeckenbecher, Okkas Freund) und ich uns da entscheiden."

Wenn das Examen in der Tasche ist, habt ihr vielleicht dann noch einmal Lust, ohne diese Last im Hinterkopf durchzustarten?
"Ja, ich plane gerade eine Mixed-Karriere (lacht). Spaß beiseite. Ich weiß es nicht. Ich kann es mir für mich nicht vorstellen. Wenn einmal Schluss ist, dann ist auch Schluss, aber man soll nie nie sagen."

Ihr habt neun Jahre zusammen gespielt – nur Ahmann/Hager haben es länger miteinander ausgehalten. Wie habt ihr das geschafft?
"Ich glaube, wir haben es immer gut hinbekommen zu sagen, was einen nervt. Männer sind ja darin immer besser, aber wir haben das auch gelernt. Es ist wichtig, sich immer wieder zusammen zu setzen, zu sagen, was einem nicht passt, Ziele neu zu formulieren und diese mit gleichem Ehrgeiz zu verfolgen. Das ist nicht immer einfach. Unser Trainer Gerald Maronde hat das sehr gut gemacht und solche Gespräche eingefordert. Ihm möchte ich ganz besonders danken! Die zweite Olympiaquali hätte wir ohne ihn sicher nicht geschafft. Außerdem haben wir den Respekt voreinander behalten. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Und ich glaube, wir wussten immer, was wir aneinander haben – sowohl was Macken angeht als auch Stärken!"

Neun Jahre mit derselben Partnerin, und dann auch noch auf höchstem Niveau – meinst Du, das wird euch jemand nachmachen können?
"Darauf bin ich wirklich sehr stolz. Es ist richtig schwer, für so eine lange Zeit auf hohem Niveau zu spielen. Sara und Laura schaffen es sicher auch. Die beiden sind sehr professionell und gehen toll miteinander um. Aber auch Katrin und Ilka sind jetzt schon ein weit gereistes Team...Jeder bekommt früher oder später Probleme, was auch auf ein entsprechendes Umfeld und die Hilfe von da angewiesen ist. "

Was kannst Du nach solch einem intensiven Leben als Beach-Volleyball-Profi den jungen Athleten an die Hand geben, was hast Du für´s Leben gelernt?
"Beach-Volleyball ist und bleibt eine der tollsten Sportarten! Durch diesen Sport habe ich weit entfernte Länder, tolle Menschen und faszinierende Erlebnisse kennengelernt und gehabt. Fürs Leben bleiben viele Eindrücke hängen und auch Erkenntnisse. Ich glaube, die eine Seite ist der Profisport mit all seinen Entbehrungen. Wie oft habe ich mich nach der Heimat gesehnt, nach den Menschen, die ich am liebsten habe. Und die Erkenntnis daraus ist sicherlich: Heimat mit all seinen Facetten ist unersetzlich! Dann das Schinden für den Erfolg, der im Verhältnis zum Misserfolg doch eher klein ist. Wie viele richtige Erfolge bleiben nach 10 Jahren hängen...Es sind nicht viele, aber dennoch haben sie mich jede Minute meines Sportlerlebens angetrieben und motiviert. Die Stunden im Kraftraum oder das viele Training im Sand rücken da in den Hintergrund, obgleich sie mitunter unerträglich waren! Das ständige Reisen lässt Dich als Mensch reifen. Ich habe oft festgestellt, dass Vielgereiste sehr offen, tolerant und flexibel sind. Die Kehrseite ist allerdings, dass das Alltagsleben nicht immer ausfüllend genug ist und ein ständiges Fernweh in einem steckt. Momentan spüre ich es noch nicht sehr stark, aber es wird kommen. Fürs Leben bleibt auf jeden Fall hängen, dass es sich lohnt Träume zu haben, (aber für die Erfüllung ist man selbst verantwortlich und muss meistens viel für sie zu tun! (Okka lacht)."

Okka, vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für Dein "neues" Leben!"

Volleyball: Wiesbaden - VTA Hamburg